Jacques Charlier, Morgane, 2014
Farbfotografie auf Leinwand, 120 × 100 cm
Fotografie: Laurence Charlier

Sophie Langohr, Vierge polychrome conservée au Grand Curtius de Liège, nouveau visage à partir de Anouck Lepere pour Shideido, de la série New Faces, 2011-2012
Zwei digital Farbfotografien, je 50 × 40 cm
Courtesy galerie Nadja Vilenne, Liège

22.04.–13.07.2014

Glorious Bodies

Mit:

Jacques Charlier, Sopie Langohr

Eröffnung: 20.04.2014, 15:00

Auf seine Art feiert das ikob Ostern… mit einer Gesamtinstallation von Sophie Langohr und Jacques Charlier; zwei Generationen, die im Dialog aufeinandertreffen, zwei Sichtweisen auf die Heiligkeit, gestern und heute...

„Aber freilich diese Zeit, welche das Bild der Sache, die Kopie dem Original, die Vorstellung der Wirklichkeit, den Schein dem Wesen vorzieht ; denn heilig ist ihr nur die Illusion, profan aber die Wahrheit. Ja die Heiligkeit steigt in ihren Augen in demselben Maße, als die Wahrheit ab- und die Illusion zunimmt, so dass der höchste Grad der Illusion für sie auch der höchste Grad der Heiligkeit ist.“

Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums, 1848, S. 23.

Das ikob – Museum für Zeitgenössische Kunst präsentiert eine Installation der Künstler Sophie Langohr (°1974, lebt und arbeitet in Lüttich) mit der Serie New Faces und Jacques Charlier (°1939, lebt und arbeitet in Lüttich), rund um das Thema der Skulptur der Heiligen Rita, dem Kunstwerk, das 1993 den Grundstein zur Sammlung des ikob gelegt hat.

„Aus dem Vorrat eines Museums hat Sophie Langohr fünfzehn Marienstatuen im „Saint-Sulpice“ Stil geborgen, die heute darstellend sind für die reinste Form der kitschigen Frömmelei, sowie für den Anfang einer semi-industriellen Kunst. Die Künstlerin stellt ihre überalterten Gesichter denen der von im Internet gesammelten heutigen Musen der großen Marken der Luxusindustrie gegenüber. In Form eines Diptychons verleiten diese Verklärungen den Betrachter zu der vollendeten Illusion einer äußerst beeindruckenden Ästhe
tik, die sich ans Kino, Bild und Digitale anlehnt. Der Schändung nicht genug setzt sie außerdem die Kunstgriffe des Shootings und der Modefotografie ein, um Glanz und Ehre der gegenwärtigen Models
und Stars den Heiligen aufzustülpen, deren Statuen um 1640 herum durch den Bildhauer Jérémie Geisselbrunn geschaffen wurden. Ursprünglich waren diese 
für die Minoritenkirche in Köln gedacht, heute aber zieren sie die Säulen der Sankt-Nikolaus Kirche in Eupen. Dies sind die Ikonen der Heiligen und Apostel, die in dieser unverhofften, zweiten Ewigkeit erstarrt sind. Ein wahrhaftig sonderbares Casting.

Auch Jacques Charlier ergründet bereits seit vielen Jahren das gekünstelte Ideal der Wandlung, indem er die Theologien der Kunst verfolgt und erforscht, inwiefern das Kunstobjekt als erlösend betrachtet und vom Markt einverleibt wird, der, wie er sagt, die Fähigkeit besitzt, jeglichen Lufthauch in ein verklärtes Objekt zu verwandeln, unter dem strategischen Blick einer globalen Kurie. [...] Von Leda zu den Zwillingen der Doublure du Monde, von der Heiligen Rita, Schutzpatronin der aussichtslosen Anliegen – und die Kunst ist wohl nicht das kleinste – zu Melusine oder Morgana, stellt die Kunst hier eine ernüchternde physische Reflektion dar, ein Zeichen, dass auf die Gegenwart die Ver- gangenheit folgen könnte; eine Angst, die dem Gefühl der Melancholie entspringt. Das Bildnis der Heiligen Rita, die Verwirrung, viel eher als das von Marilyn oder Tina Turner, wie er sagt. Wie ein letzter Ausweg angesichts einer krisengebeutelten Gesellschaft, fügt Sergio Bonati hinzu, ist es dieses Bild von der Saint-Sulpice Inspiration, das Jacques Charlier oft ironisch gebraucht, um auf eine Kunstgeschichte und einen Kunstmarkt hinzuweisen, die immer mehr instrumentalisiert werden. Könnte die Kunst daher, mit der Rückkehr zu einer gewissen Form der Frömmigkeit, als ein Votivbild fungieren?“

(Auszug aus einem Text von Jean-Michel Botquin, Galerie Nadja Vilenne, Lüttich)

Jacques Charlier, Novissima Verba, 2000
Offsetdruck, 100 × 70 cm
Fotografie: Laurence Charlier