Wim Claessen, Me Walking, 2006
Acryl auf mitteldichte Faserplatte, 40 × 30 cm

15.10.–10.11.2013

Star Work № 2: Me Walking

Wim Claessen

Wim Claessens letzte Arbeiten zeigen in quadratischen Bildfeldern banal-simple, aber markant-typische Landschaftsausschnitte mit Strandabschnitten oder profaner Architektur; es mutet an als wären sie während eines Spaziergangs erkundet und mit einer Kamera erfasst worden. Sie sind gekennzeichnet von einer fahlen Farbigkeit und einem malerisch flächigen Duktus mit Tendenzen zur Scherenschnittsilhouette, was eine künstliche Distanz zum Bildgegenstand erzeugt. Die sachliche Tristesse der Verlorenheit von Landschaft und Person greift Wirkungsweisen der Malerei von Edward Hopper auf, zeigt ebenso wie jene gewöhnliche heimische Gegend, betont aber stärker die Dämmerungsstimmung und den Charakter einer beobachteten Landschaft und nicht den einer konstruierten Szenerie.

Das Gemälde Me Walking von 2006 ist Teil einer Werkreihe mit gleichnamigem Titel, innerhalb derer sich der Künstler während eines Spaziergangs selbst darstellt. Hier kommt ein erzählerischer Zug in den kargen Bildraum, der den Charakter der Bilder als Filmstills verstärkt. Besonders durch die von schräg oben erfasste Rückenansicht des Künstlers gewinnt man den Eindruck, ein überarbeitetes Bild einer Überwachungskamera habe den Spaziergang des Künstlers dokumentiert.
Dabei liegt der Fokus der Darstellung auf der Beobachtung der Stimmungslage, in der der Künstler seinerseits die Landschaft beobachtet; es ist als würde etwas gezeigt, das im Rahmen der verfließenden Zeit schon längst entschwunden ist, als dämmere es mit einem Flor von Nostalgie und Melancholie dahin. Ein zeitloser Blick in verblassenden Farben, der die Gegenwart wie einen stetigen Fluss ständig letzter Blicke erscheinen lässt. Die Passivität atmenden Stätten im gewöhnlichen irdischen Irgendwo – nicht im utopischen Nirgendwo – sind alle von einheitlicher, leicht fremdfarbener Lichtwirkung, flächengrafisch durchkomponiert und in gezügelter Süffigkeit gemalt, die wolkig wohlig ins Bild eintauchen lässt. Ein beiläufig erscheinender, skizzenhafter Charakter wohnt dem Pinselduktus von Me Walking inne und passt sich ins Bild ein, das wie die anderen nur das allernötigste an Raumangaben macht, um die von Unbestimmtheit gesättigte Situation zu erfassen, in der der in sich versunkene und leicht in sich versackend schlendernde Künstler scheinbar von der in Gang gesetzten Bewegung körperlich weitergetrieben wird, während sein Geist sinniert, bzw. in der Wirklichkeit nicht anwesend zu sein scheint. Das ist eine Stimmungslage, die vielleicht den durchglobalisierten Zeitgenossen in einer fremd werdenden Welt zeigt, die wie ein erlaubter Freigang daherkommt. Zeitgenössische Malerei eben.

(Dirk Tölke, redigierte Fassung)

STAR WORK
Mit dem Star Work zeigen wir in regelmäßigen Abständen ein Kunstwerk aus der Sammlung des IKOB.

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Star Work № 5: Ausgewürfelte Bilder, 28 Bildmöglichkeiten


Star Work № 4: Veules-les-Roses


Star Work № 3: Regalfrau


Star Work № 8: The Gates


Star Work № 10: Geschlossene Scheune


Star Work № 9: Poésie urbaine


Star Work № 7: Seestück II


Star Work № 11: Composition


Star Work № 12: Ohne Titel


Star Work № 14: Sieglar-96-09-21


Star Work № 13: LBYD/SOI


Star Work № 1: Ein auf seinen Grundriss reduzierter Stein im Maßstab 1 : 1 / Berg aus Steinstaub


Star Work № 25: A Billion Square Circles


STAR WORK № 24: Checkpoint Charlie


Star Work № 23: Babalú Ayé


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Star Work № 21: République Libre de Clairefontaine


Star Work № 20: Constructor


Star Work № 19: DEIN GEILSTER MÄDCHEN­FLUG­KÖRPER SCHREIT TOTALST: NUR VORNE IST EVOLUTION IM SCHRITT "MARSCH MARSCH", VERSACHLICHT ALLES.


Star Work № 18: Ohne Titel


Star Work № 17: Corte Cromático, Hommage an André Blank


Star Work № 16: Statement 34/56


Star Work № 15: Texte zur Kunst