#20
2017 — 01

Constructor
Dmitry Teselkin


#19
2016 — 09

DEIN GEILSTER MÄDCHENFLUG- KÖRPER SCHREIT TOTALST: NUR VORNE IST EVOLUTION IM SCHRITT "MARSCH MARSCH", VERSACHLICHT ALLES.
Jonathan Meese
2012


#18
2016 — 08

Ohne Titel
Vera Hilger
2009

Mehr Infos

Hilger arbeitet am liebsten großformatig, so kann sie am besten die Möglichkeit des Materials, Tempera und Ölfarbe, ausschöpfen. Schicht für Schicht überzieht sie ihre Leinwände mit Farbe, hell, dunkel, dicker, dünner, bis der eine Augenblick entstanden ist, den sie sucht: das Schimmern der Materie. Dieser Malprozess, der durch lange Zeiträume entsteht, ist genau das, was die Künstlerin am Malen fasziniert. Sie selbst spricht von einem Arbeitsprozess, der manchmal bis zu zwei Jahren dauern kann, bevor er ausgereift ist. Immer wieder modifiziert Vera Hilger ihre Gemälde aufs Neue und fügt zusätzliche Schichten auf. Dabei hinterfragt sie ihre Werke und verändert sie so, dass eine spannende Struktur entsteht. Ihre titellosen Gemälde stellen im Grunde nichts Konkretes da, sie sollen das genaue hinsehen anregen und hin und wieder erkennt man Phänomene aus der Natur.

Das als Star Work präsentierte Werk war das erste Mal 2009 in der Ausstellung Vera Hilger Schimmer zu sehen. Die Farbigkeit hat etwas nebeliges, schleierhaftes, diffuses, ja fast mysteriöses. An den Schattierungen der Farbhaut erkennt man die verschiedenen Schichten und Prozesse und je nach Blickwinkel, scheint sich das Bild im Auge des Betrachters zu wandeln. So entstehen Vermutungen und Gedankenverbindungen. Dennoch haben alle ihre Kunstwerke eine rhythmische Struktur: Formen, Linien und auch Farben wiederholen sich innerhalb eines Bildes und durch den halbdurchlässigen Untergründen scheinen illusionistisch wirkende Muster zu entstehen. 

Inspirieren lässt sich die Künstlerin von Momenten und Augenblicken des Lebens. Hier erzeugt es den Eindruck einer nebeligen Baumkulisse oder eines Vogelschwarms am Himmel. Eindeutig zu erkennen ist das Spiel von Licht und Schatten, welches in vielen ihrer Arbeiten eine große Rolle spielt. Gerade das ist das Spannende an dem Malprozess, die Farbmaterie so zu bearbeiten, dass sie etwas tut, was sie von selbst kann.

Miriam Elebe


#17
2016 — 06

Corte Cromatico - Hommage an André Blank
Antonio Máro
1987

Mehr Infos

Mit Antonio Máros Hommage an André Blank zeigt das IKOB aus eigenem Bestand das Star Work #17.

Der seit 1981 in Hauset lebende, international agierende Musiker, Maler und Bildhauer Antonio Máro Ramírez, wurde mit Ehrungen überhäuft, gilt kunsthistorisch aber eher als ein Außenseiter. Er wurde 1928 in Catacaos (Peru) geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Lima auf. Beim abstrakten Expressionisten Ricardo Grau machte er seine ersten Schritte zur Kunst, die er ab 1950 parallel zum Medizinstudium in Tübingen bei Gert Biese und in Stuttgart bei Willi Baumeister weiterführte. Ab 1957-62 praktizierte er, parallel malend, als Mediziner in Peru und bis 1980 in Süddeutschland. Von Baumeisters Ausrichtung auf individuelle Authentizität des Bildes angeregt und von den gegenstandslosen Tendenzen des Informel sowie Hap Grieshaber beeinflusst, gehört er zu den südamerikanischen Künstlern, die den Realismus aus ihrem Werk getilgt haben. Der Versuchung Indiokultur und Kolonialerbe barocker Färbung zum Thema seiner Arbeit zu machen erlag er nie. Weniger Spiritualität als Sinnlichkeit und Naturerleben prägt seinen materialbezogenen Umgang mit chromatischen Überlagerungscollagen. Ab 1980 lässt er die an Eduardo Chillida erinnernden Formverschränkungen hinter sich und konzentriert sich auf tektonischen Schichtungen. Nicht Farbsymbolik, sondern materielle Sinnlichkeit bestimmen die Chromatik der experimentell störrischen, mit Vorliebe in axialen Verschiebungen komponierten, aber skizzenhaft angelegten und formal freien Bildflächen.

So ist auch das 1987 entstandene Star Work #17 als Hommage an den belgischen Glasmaler André Blank absichtsvoll von Licht- und Schattenwirkungen geprägt, die als Lichtkeil, weiß gehöhte Verklammerung, kosmische Tiefe und irreale Metallschlucht eigentümliche entrückte Raumtiefen links und tektonische Flächenriegel rechts suggerieren, in den Tropfspurendetails und Schichtenüberlagerungen aber ihr pures Dasein als impulsive Malerei verraten. Freier Impuls und von traditionellen Bezügen abgelöste Intellektualität musikalisch harmonischer Komposition lassen gegensätzlich gerichtete Formkräfte interagieren (Schwarz – weiß, oben – unten, Flächendichte – Brüchigkeit). Dieser Bildraum birgt mehr feierliche Stille als schwerblütige Zerrissenheit und Leidensgestus. Das Bild ist analytisch komponierte Sinnbild-Malerei, die Würde und Bedrohung der Natur mitschwingen lässt, aber als intuitiv errungene Formwelt ohne Vorbild vor allem eine Vorlage für unbekannte Empfindungen werden kann.

Dirk Tölke


#16
2016 — 04

Statements 34/56 (rotes Kreuz)
Jean-Marie Biwer
2000

Mehr Infos

Der 56teilige Zyklus Statements von 2000, zu der die Arbeit 34/56 gehört, manifestiert in ungestüm gemalten gleichgroßen Gemälden frische Bildstrukturen zwischen figürlichen Fragmenten, collagierten Dingweltpartikeln sowie ungleichmäßig wallender Struktur und gestischer Linienführung. Sie folgen in Farbgebung und Zusammenstellung keinem künstlerischen Vorbild, keiner Leitmotivik und keiner Musterstruktur, es sind tagesaktuelle Singularitäten, die keine Erwartung bedienen, sondern in Fragmenten und erinnerten Tagesresten empfundenes Dasein abbilden. Dazu gehören auch kulturbeladene Gedankenströme, die in der Kreuzform auf blutrotem Fleischgrund anklingen, die den Blick in eine zart angedeutete Spielzeugwelt von oben freigibt, von einem figurativen schwarzen Fleck gekrönt. Räumlich unzusammenhängende Berglandschaft, Architektur und fliegende Menschen im neckisch-sanften Inkarnat-Farbsumpf vereinend, ist dieses Gemenge ein Bildentwurf von 34/56 für die unvergorene Bildbelastung, die eine medienorientierte Zapp-Kultur mit ihrer Bilderfressgier beliebigkeitsquirlend erzeugt. Nicht die üblich gewordene Bilderflut-Schnipselcollage, sondern ein Bild für den Verdauungsprozess von eigener und medial geliehener Weltseherfahrung. Ein Bild für das es nichts Vergleichbares gibt, das aber in seiner Bildphantasie auch mediale Erfahrung konkretisiert und ganz unmedial Neues ohne Avantgardeattitüde in die Welt setzt, ohne dem Betrachter Denkziele vorzugeben oder die formale Trickkiste der Malerei zu nutzen und einen Stil auszubilden. Seine Malerei ohne Überflüssiges aber voll Unverdrängtem ist deswegen nicht harmlos oder bedeutungslos – ganz im Gegenteil.

Miriam Elebe


#15
2016 — 03

Texte zur Kunst
Horst Keining

Mehr Infos

Leuchtend hellblaue und weisse Punkte, die an Konfetti erinnern, zeichnen sich deutlich vom orangegelben Hintergrund ab. Etwas Gegenständliches – eine Landschaft, eine Architektur, Kisten, die sich stapeln – ist zu erahnen. Die Elemente lösen sich auf. Wie bei der Betrachtung eines impressionistischen Gemäldes werden die nebeneinander gesetzten Farben erst bei zunehmender Entfernung vom Bild zu einem fassbaren Ganzen. Dieser Versuch ist hier jedoch zum Scheitern verurteilt, da die Verfremdung nicht nur durch den Zoom angelegt ist, sondern darüber hinaus auch durch die Wahl des Ausschnitts. “Texte zur Kunst” ist mit serifenlosen Grossbuchstaben schwarz, aber lasierend aufgetragen. Die Zeile ist im unteren Drittel des Bildes platziert, das, auch durch sein Format, an ein Buch- oder Zeitschriftencover erinnert. Die Worte suggerieren die vermeintliche Bildaussage. Die Botschaft setzt Assoziationen frei. Der Betrachter, der gleichsam Leser ist, hat Erwartungen, die das Bildmotiv nicht auflöst.

“Texte zur Kunst” ist eine 1990 in Köln gegründete Kunstzeitschrift. Auf rund 300 Seiten werden zu gesellschafts- und kulturpolitischen Themen deutsch- und englischsprachige Beiträge zu zeitgenössischer Kunst, Film, Musik, Mode und Design veröffentlicht.

Keining provoziert diese Ambivalenz, indem er dem klassischen Bildaufbau zur Erzeugung von Perspektive folgt: Vordergrund, Hintergrund, Anhebungsmotiv, Klarheit und Unschärfe, Überschneidung. Die Motive aber erschließen keinen realen Raum und die verschiedenen Ebenen stehen in keinem direkt greifbaren Sinnzusammenhang, so dass eine Verortung unmöglich wird und das Bild als Ganzes Irritationen auslöst. Der Künstler spielt mit den Elementen Text, Kontext, Textur und Kontur – und mit der Wahrnehmung. Der Diskurs ist das Entscheidende. In frühen Arbeiten der 1980er und 90er Jahre, den Serien der Blaugrünen und Roten Bilder, in den Fassadenbildern und den Streifenbildern, untersuchte Keining systematisch die Möglichkeiten der Gliederung einer Fläche und verfolgt ein forschendes Erproben der malerischen Mittel. Ausgelöst durch den Auftrag für ein Wandgemälde, das eine neue Technik des Farbauftrags erforderte, arbeitete er fortan mit Kunstharzfarbe und Spraypistole. Statt Fläche und Linie setzte Keining ab 1997 Farbfläche und Schrift, ab 2003 dann Ornament und Schrift in Beziehung. Die Technik des Airbrush unterstützt dabei seine Intention, Unschärfen und Verschleierungen zu erzeugen.

Denise Essig