#14
2016 — 01

Sieglar-96-09-21-1
Roger Wagner
1996


#13
2015 — 09

LBYD/SOI
Catharina Van Eetvelde
2015

Mehr Infos

a wolf sung the moon into existence

LBYD/SOI, 2015 ist dank Maïté Vissault in die Sammlung des ikob eingegangen. Die Direktorin des ikob hatte bereits meine Teilnahme an der Ausstellung IN/VISIBLE durch die Unterstützung an der technologischen Entwicklung meines damaligen Werks ermöglicht.

LBYD/SOI wurde mit Kohle, Gummiarabikum, Wasser, Glykol, VOC, DOD, Papier, Pappe, Klebeband, Baumwolle, Isopren und organischen Verunreinigungen hergestellt.

LBYD/SOI wird als Zeichnung bezeichnet.

Es entstammt einer Beschwörung, um für kurze Zeit Konzepte von Materie und Natur zusammen zu halten. Ein Prozess, der eine mutierende Produktion innehält. Es scheint natürlich, es in seinem Arbeitsumfeld von Materie und Natur zu zeigen; von Leinen, Glass; Seide, Kupfer von elektronischem Zubehör, Polyvinylchlorid sowie von Göttern, Seelen, Bergen, Zellen und Vektoren.

LBYD/SOI wird in seinem größeren Kontext von November 2016 bis März 2017.im Kunstmuseum Basel gezeigt

Catharina van Eetvelde, 2015


#12
2015 — 07

o.T.
Ton Slits

Mehr Infos

Ton Slits ist ein Geschichtenerzähler. Er erzählt rätselhafte Geschichten; Geschichten vom Werden und Vergehen. Und, weil er eben Bildender Künstler ist, erzählt er diese Geschichten sehr bildhaft. 

Als Betrachter werden wir zu Kindern, wenn wir seinen Geschichten zuschauen und seiner Sprache folgen. Ganz ohne Worte verbindet uns dann die universale Slit’sche Geheimsprache. Wir tauchen ein in eine Welt aus Erinnerung und Fantasie und werden zu Vertrauten des Künstlers. 

Seine Sprache ist eigen, und doch verständlich. Sie ist klar umrissen; quasi gemalte Grafik. Geometrische Formen und schablonenhafte Elemente ergeben eine Zeichensprache, die gleichermaßen an frühzeitliche Hieroglyphen wie an aktuelle Piktogramme oder das Design früher Computerspiele erinnert. Sie ist ebenso spielerisch und naiv wie symbolhaft und komplex. Ihre Struktur ist sichtbar; Muster wiederholen sich, sind vermeintlich vorhersehbar – und doch auch wieder nicht. 

Zu sehen ist eine Art Behausung. Wie der Teil einer kristallartig endlos vernetzten Konstruktion tritt sie als leuchtend orangefarbene Wabe hervor. Hier, in diesem Baustein passiert etwas: Auf T- förmigen Elementen sind – schablonenartig in dunklem Grau – Vögel, eine Sanduhr, ein Totenschädel platziert. Schwarze Punkte und Stäbchen rieseln herunter und bleiben, wie bei einem Mikadospiel, zerstreut und zufällig liegen. In der Mitte, auf dem höchsten Punkt, untermauert von einer ebenfalls T-förmigen, umgekehrten Konstruktion, sitzen drei Vögel. Flankierend auf der rechten Seite, etwa in halber Höhe steht eine Sanduhr; gegenüber, dem Fuß des Sockels am nächsten, liegt der Schädel. Gleich einer Perlenkette reihen sich Scheiben in abgestuften Grautönen aneinander. Sie treten über den Rand und verbinden „Innen“ und „Außen“. Im Hintergrund erscheinen sie wolkenartig aufgetürmt. 

Ist dieses symmetrisch angelegte Gebilde eine Architektur? Ein Haus, eine Scheune, ein Kirchenraum, ein Hochofen? Oder ist es ein einzelner Bestandteil? Ein Raum, ein geöffneter Flügelaltar, die „Mandorla“, der „hortus conclusus“? Und welche Bedeutung haben die darin befindlichen Einzelteile? Ist die zentrale T-förmige Konstruktion eine Waage, eine Vorrichtung zum Auslösen einer Sprengung, der Steuerhebel eines Flugzeugs oder Motorbootes, ein statischer Unterbau? Die reduzierte Formensprache lässt hier zahlreiche Assoziationen zu. Die Elemente „Vogel“, „Sanduhr“ und „Schaedel“ verweisen jedoch auf die wahrscheinlichste Deutung als eine Vanitasdarstellung – im christlichen Glauben die Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen (Koh. 1,2). Das stilllebenartige Arrangement ähnelt jedoch auch dem Aufbau eines Kalvarienbergs; einem Andachtsbild, das die Kreuzigung Jesu versinnbildlicht. Symbolisieren die drei Vögel einerseits das menschliche, irdische Leben, so stehen sie andererseits für das Überirdische und Göttliche: die Dreifaltigkeit. In diesem Kontext erscheinen die Stäbchen nicht mehr als Mikado, sondern als eine sich auflösende Dornenkrone. Betrachtet man die Arbeiten von Ton Slits, so sind sie unverkennbar ihm zuzuordnen. In ihrer Kombination völlig eigen sind die Themen- und Motivauswahl, der Bildaufbau, der Farbauftrag und die Verarbeitung des Materials sowie die Bildsprache. Und doch erinnern einzelne Aspekte an bekannte Überlegungen und Umsetzungen der Kunstgeschichte.

Künstler des Konstruktivismus, einer Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland aufkommenden Strömung, aus der das niederländische Pendant De Stijl hervorging, versuchten erstmals die Kunst mittels mathematischer Gesetze zu erstellen und zu dechiffrieren. Ihr Wirken und ihre Überlegungen erstreckten sich auch auf Gegenstände und Strukturen des Alltags, mit dem Ziel einer ganzheitlichen Lebensführung. Sie setzten sich mit technischen Entwicklungen auseinander und verwendeten eine extrem reduzierte Formensprache und Farbpalette. 

Die Idee, im zweidimensionalen Bild durch Zerstörung wie Schnitte und Einstiche eine weitere Ebene zu öffnen, entwickelte der Künstler Lucio Fontana (1899-1968). In seinem Technischen Manifest des Spazialismo erörtert er die „Evolution der Kunst“: die vom Publikum her gedachte Notwendigkeit, neue künstlerische Ausdrucksformen finden zu müssen, um eine Reaktion zu erreichen. Die Durchstiche der Leinwand arrangiert Slits jedoch, wie die Malerei, ganz gezielt und einem Schema folgend. Ähnlich dem leuchtenden Orange, das Erinnerungen an das Himmlische verheißenden Goldgrund frühmittelalterlicher Buchmalerei weckt, erscheinen die Durchstiche wie die punzierte Goldauflage von Ikonen. 

Slits Werke sind Gratwanderungen. Ihnen wohnt ein zerstörerischer Moment inne. Mit seinen Bildern und scherenschnittartigen Installationen befragt er die Vergangenheit und erwägt die Zukunft. Die Frage nach dem davor und dahinter ist ebenso die Frage nach dem davor und danach. Es ist die Frage nach Verortung überhaupt. Dabei bedient er sich – gedanklich wie gestalterisch – naturwissenschaftlicher Logik und religiöser Weltanschauungen gleichermaßen.

Denise Essig



#10
2015 — 01

Geschlossene Scheune
Wolfgang Nestler
1997