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Wim Claessen, 2006

Me Walking

Acryl auf mitteldichte Faserplatte
40 × 30 cm

Das Gemälde Me Walking von 2006 ist Teil einer Werkreihe mit gleichnamigem Titel, innerhalb derer sich der Künstler während eines Spaziergangs selbst darstellt. Hier kommt ein erzählerischer Zug in den kargen Bildraum, der den Charakter der Bilder als Filmstills verstärkt. Besonders durch die von schräg oben erfasste Rückenansicht des Künstlers gewinnt man den Eindruck, ein überarbeitetes Bild einer Überwachungskamera habe den Spaziergang des Künstlers dokumentiert.

Dabei liegt der Fokus der Darstellung auf der Beobachtung der Stimmungslage, in der der Künstler seinerseits die Landschaft beobachtet; es ist als würde etwas gezeigt, das im Rahmen der verfließenden Zeit schon längst entschwunden ist, als dämmere es mit einem Flor von Nostalgie und Melancholie dahin. Ein zeitloser Blick in verblassenden Farben, der die Gegenwart wie einen stetigen Fluss ständig letzter Blicke erscheinen lässt. Die Passivität atmenden Stätten im gewöhnlichen irdischen Irgendwo – nicht im utopischen Nirgendwo – sind alle von einheitlicher, leicht fremdfarbener Lichtwirkung, flächengrafisch durchkomponiert und in gezügelter Süffigkeit gemalt, die wolkig wohlig ins Bild eintauchen lässt. Ein beiläufig erscheinender, skizzenhafter Charakter wohnt dem Pinselduktus von Me Walking inne und passt sich ins Bild ein, das wie die anderen nur das allernötigste an Raumangaben macht, um die von Unbestimmtheit gesättigte Situation zu erfassen, in der der in sich versunkene und leicht in sich versackend schlendernde Künstler scheinbar von der in Gang gesetzten Bewegung körperlich weitergetrieben wird, während sein Geist sinniert, bzw. in der Wirklichkeit nicht anwesend zu sein scheint. Das ist eine Stimmungslage, die vielleicht den durchglobalisierten Zeitgenossen in einer fremd werdenden Welt zeigt, die wie ein erlaubter Freigang daherkommt.

(Dirk Tölke, redigierte Fassung)