Jerry Frantz

* 1955 in Esch an der Alzette (L)

Lebt und arbeitet in Pratz (L).

Jerry Frantz, aus Esch-sur-Alzette in Luxemburg, studierte von 1976 bis 1981 Grafikdesign an der Académie Royale des Beaux-Arts Bruxelles und der École Supérieure des Arts Appliqués in Paris. Er lebt und arbeitet als bildender Künstler im luxemburgischen Pratz.

Über sein Kunstverständnis sagt er, dass um kunstschaffend zu sein, es zwar wichtig sei, die Kunstgeschichte zu kennen, doch Kunst im Hier und Jetzt nur in der Zeit funktioniere, in der sie geschaffen wird. Daher überrascht es nicht, dass Jerry Frantz in seiner Arbeit kein bestimmtes Medium bevorzugt. Er arbeitet gleichermaßen mit Video, Fotografie, Installationen und Performance. Der Betrachter soll direkt in seine Kunst mit einbezogen werden und findet sich häufig in einem Rollenspiel wieder, das überrascht, schockiert und zum Reflektieren anregt. Angestoßen durch die terroristischen Anschläge 1985-1986 in Luxemburg, die als Bombenlegeraffäre publik wurden und durch deren Aufarbeitung in den frühen 2000er Jahren, begann Jerry Frantz sich verstärkt mit den Begriffen Nation und Nationalismus zu beschäftigen.

Eines seiner Werke im IKOB ist die 2008 eingerichtete Botschaft der République Libre de Clairefontaine. In seiner Soloausstellung Post-Incunables im Centre d’Art – Ville de Dudelange kehrte er im Jahr 2009 kurzzeitig zur Druckgrafik zurück und schuf eine Reihe von erotischen Holzschnitten, welche die Bildsprache der Massenmedien analysieren. Den Ansatz, Nationalstolz im Spiegel der Medienrezeption zu untersuchen, griff er 2010 erneut auf, als er die Fotomontage Heilige Goldjungfrau rette unsere Wirtschaft und bewahre uns vor der Armut anfertigte. Sie zeigt das luxemburgische Nationalsymbol der Gëlle Fra, die statt ihrem eigentlichen Attribut – dem Lorbeerkranz – einen Rettungsring in den Händen hält. Innerhalb der Doppelausstellung im IKOB mit Sali Muller Museum of Vanities (2017) setzt er jedoch an der Rolle des Einzelnen an, der sich innerhalb gesellschaftlicher Rahmenbedingungen anpasst oder aber abgrenzt –, wobei letzteres ihn dann meist zum Außenseiter, Exzentriker und Eigenbrötler macht.

Jerry Frantz, République Libre de Clairefontaine

République Libre de Clairefontaine, 2008