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Léopold Plomteux, 1995

Composition

Öl auf Leinwand
200 × 170 cm

Farbstarke Pinselzüge und ergänzende pastose Spachtelspuren kennzeichnen die Oberflächen der großformatigen Arbeiten Plomteuxs, die mit einer abgestimmten Palette weniger Farben eine strähnig linear bestimmte Verfilzung von stiebenden Formsetzungen bilden. Die Anlage der in ihren Parallelzügen unterschiedlich lang und breit angelegten ausgefransten Farbinseln lassen den Untergrund teils durchscheinen und betonen auch in ihrem Segmentbogenverlauf die handgemachte impulsive Setzung. Die sich vermittelnde Heftigkeit dieser leicht und heiter erscheinenden Malerei bildet eine strudelnde Struktur, die bewegt erscheint und sich zu verhalten scheint wie Blätter, die durch die Strömung eines Baches zusammengeschoben werden.

Von der Wilden Malerei der 80er Jahre vielleicht nicht unbeeindruckt vermittelt dieses leicht entschleunigte Gewimmel eine Variante der abstrakten Malerei, die weder auf geometrische Formwelten, noch auf biomorphe-Naturanspielungen, noch auf Gegenstände Bezug nimmt. Die abstrakte Malerei entstand zunächst aus der vereinfachenden Abstrahierung von Naturvorbildern. Mit den frei kombinierbaren Formmitteln (Geometrie, Biomorphes, Lineares, Struppiges, Kratzer, eingestreutes Material) begannen seit den 30er Jahren Maler sowohl wieder zur Figuration zurückzukehren als auch eigenständig konkretisierend zu komponieren, ohne noch auf Naturvorbilder Bezug zu nehmen (daher Konkrete Kunst, obwohl populär „die Wirklichkeit“ als konkret angesehen wird). Da man nichts wiedererkennen kann, ist man hier vollends darauf angewiesen, die Resonanzwirkung des Bildes zu spüren und eigene Assoziationen zu finden. Auch der Anblick eines Blumenstraußes mit seinen ungeordneten Subformen vermittelt solcherart freudige oder sonstige feine Empfindungen.

Farbe und Form drücken in den Werken des Malers eine heitere bzw. gefestigt ernste Lebendigkeit aus, einen Strudel selbstbewusster Farben, die als verdichtetes Treiben kein bedrohliches Chaos vermitteln, sondern eine Verfugung individueller Formen bilden – Formen, die nicht gegeneinander arbeiten oder gleichgerichtet einem Ordnungsschema folgen, sondern ein Andocken und sich Einfügen in vielfältige Subströmungen zum Ausdruck bringen. Indirekt vielleicht ein Bild einer entspannten Demokratie, in der übergreifende (Strömungs-) Kräfte durchaus verformend wirken, aber Eigenständigkeiten der Schwarmteilnehmer den Gesamtverlauf mitbestimmen.

Ein derartig freies Gefüge hat der Künstler von realistischen Anfängen und strengen Flächenabstraktionen an als eigen Ausdrucksform in den letzten Jahrzehnten entwickelt und variantenreich verfeinert. (Dirk Tölke)