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Stéphane Vee, 2001

Poésie urbaine

Acrylfarbe auf Fotografie auf Holz
Ditpychon, je 140 × 100 cm

In künstlichem Grüngelb und überblendeter Belichtung werden in leichter Untersicht vier auf drei Leisten sitzende Tauben gezeigt. Die gipsernen und fußlosen Taubenkörper sind schablonenhafte Massenprodukte, die Einförmigkeit vermitteln. Wie auf Notenlinien oder Telefonleitungen sitzen sie in zwei unterschiedlichen Abständen auf den oberen Leisten und werden als Schattenriss auf der Hintergrundwand als versetzte Resonanz wiederholt. Sie äugen in einen unbekannten Vordergrund hinab.

Das banale Bildthema, als städtische Poesie im Titel gekennzeichnet, verweist auf die Taubenzucht, die in Bergbausiedlungen wie Charleroi zum Alltag gehörte, als ein Hobby einfacher Arbeiter. Was bietet das fahle Werk an Bildresonanz und Assoziationen, die die Intention des Künstlers erhellen könnten? Haben wir es mit Brieftauben zu tun, die in Zeiten des E-Mail-Verkehrs wie nicht mehr abgeholt im Regal sitzen? Sind es Tontauben, die zum Abschuss freigegeben sind? Oder stellen die Tauben einfach ein Klischee von ins Haus geholter Natur dar? Letzteres würde zum städtischen Phantasiegebilde von Natürlichkeit gehören wie die Zimmerpflanze oder der Miniaturgarten im Balkonkasten.

(Dirk Tölke, redigierte Fassung)