06.10.2018–07.10.2018

Erhebe deine Stimme – Workshops mit : Jo Caimo, David Helbich und Edyta Jarząb
Kuratiert von Linnea Semmerling

Die Stimme erheben, das ist so biblisch wie revolutionär. Der alttestamentarische Gott ruft seinen Propheten Jesaja damit zur Bekehrung des sündigen Volkes Israel auf und Nichtregierungsorganisationen motivieren zu Unterschriften für Petitionen. Die Stimme, die sich erhebt, ist die unterdrückte Stimme, die Stimme, die aufbegehrt, die Stimme des Protests. Eine Stimme erhebt sich selten allein. Sobald sich eine Stimme erhebt, werden zumeist auch andere Stimmen laut. Es bilden sich Chöre, in die wir einstimmen können, die wir bejubeln können, die wir aber auch ausbuhen oder sogar mundtot machen können. So zeigt sich die Stimme als ein wesentliches Mittel der Selbstorganisation, das seine Kraft zwischen Politik, Gesellschaft und Körper entfaltet.
Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler verhandeln und erproben die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Stimmungen und den Stimmen einzelner Menschen. In Eupen – der Stadt der Sängerinnen und Sänger – wird die Stimme auf viele Arten und Weisen genutzt, aber selten so, wie David Helbich, Edyta Jarząb und Jo Caimo es vorschlagen. Von der klassischen Komposition kommend, hinterfragt David Helbich Situationen aus unserem gesellschaftlichen Zusammenleben mit musikalischen Mitteln. Die Aktivistin Edyta Jarząb trainiert Frauenstimmen für den Protest und setzt sich dabei kritisch mit einer Kultur auseinander, in der die Stimme der Frau noch allzu oft auf niedere Tierlaute oder die verführerischen Gesänge der mythischen Sirenen reduziert wird. Der bildende Künstler und Musikinstrumente-Erfinder Jo Caimo bringt Fremde zu einem spontanen musikalischen Kollektiv zusammen, das zum Nachdenken über Gruppendynamiken in der Musik und zwischenmenschliche Beziehungen im Allgemeinen anregt.