soul flashes [Seelenblitze] ist ein Programm von Künstler:innenfilmen, das im Laufe des Jahres 2026 in der Black Box des IKOB präsentiert wird. Das Programm entfaltet sich über vier Zyklen, die jeweils einem Element entsprechen: Wasser, Luft, Feuer und Erde.

Die Vierelementelehre von einfachen Substanzen – das Feste, das Flüssige, das Gasförmige und das glühend Verzehrende – zur Erklärung der Natur und Komplexität aller Materie hat viele Kulturen über Jahrhunderte tiefgreifend beeinflusst. Obwohl die moderne Wissenschaft chemische Verbindungen heute nach der Atomtheorie klassifiziert, hat die symbolische Kraft der klassischen Elemente und ihre Erscheinung in unserem Alltag nach wie vor eine hohe Resonanz. soul flashes ordnet jedem Element auch eine Jahreszeit zu: Wasser für den Winter, Luft für den Frühling, Feuer für den Sommer und Erde für den Herbst, wodurch die narrativen und körperlichen Eigenschaften jedes Elements betont werden.

Durch die Linsen der Filmemacher:innen erleben die Besucher:innen verschiedene Facetten der menschlichen Interaktion mit der Natur und ihren Kräften: wie wir versuchen, die Natur zu kontrollieren und auszubeuten, uns mit ihr zu verbinden oder sogar zu verschmelzen. Die Geschichte des Films und der Konsum bewegter Bilder ist eng verwoben mit Machtfantasien und -verhältnissen in Bezug auf Landschaften und Lebewesen. Mit Werken aus dem Zeitraum von 1928 bis heute zeigt das Programm die Gewalt, Schönheit und Komik dieser komplexen Beziehung.

In den gezeigten Filmen werden die Elemente oft zu eigenständigen Charakteren. So suggeriert soul flashes ein der Welt zugrunde liegendes Mysterium, das sich der Dokumentation und dem rationalen Verständnis entzieht. Zuschauer:innen werden in die Tiefen des Ozeans entführt, können nackt in den Himmel fliegen, aus einer Oase trinken oder das Eis durchbrechen. Wenn wir Glück haben, blitzt die Seele durch.

27.01.–29.03.2026
༄ 1. Zyklus: Wasser ༄

Roman Signer, Einbruch in Eis, 1985. Video, 1’7. Bonnefanten Maastricht

Der Schweizer Künstler Roman Signer ist vor allem für seine 175 Super-8-Filme bekannt, die er zwischen 1975 und 1989 gedreht hat. In diesen frühen, stummen Kurzfilmen führte Signer alle möglichen ungewöhnlichen, manchmal gefährlichen Experimente mit Objekten und Fahrzeugen durch, wobei er natürliche Elemente sowie Feuerwerkskörper und Sprengstoffe einsetzte, um poetische und komische Effekte zu erzielen. In Einbruch in Eis betritt der Künstler einen zugefrorenen See, bis das Eis bricht und er ins eiskalte Wasser fällt. Er dreht sich zur Kamera um, die an sein erschrockenes Gesicht heranzoomt.

Eva Claus, To Be A Day, 2025. 16 mm, 4:3, Farbe, Ton, 8’

Ein Fenster zur Außenwelt, genau wie der Rahmen der Kamera. To Be a Day fängt ein, wie die Sonne ihr Licht über eine weite Meereslandschaft auf Fogo Island, Kanada, wirft. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erscheint eine Reihe weißer Punkte. Diese weißen Kreise reflektieren das Mondlicht und leiten die Fischer, wenn sie am frühen Morgen über den Pier zu ihren Schuppen und Booten gehen.

Jean Painlevé, Les Oursins, 1928. 35 mm, s/w, ohne Ton, 10’. © Archives Jean Painlevé / Les Documents cinématographiques, Paris

Jean Painlevé (1902–1989) war ein französischer Filmemacher und Biologe. Im Laufe seines Lebens drehte er mehr als zweihundert Filme zu einer Vielzahl von Themen, von Seepferdchen, Tintenfischen bis hin zu Vampirfledermäusen, Volkstänzen, Flüssigkristallen oder Tauben, wobei er eine Vorliebe für Meereslebewesen hatte. Les Oursins ist ein stummer Schwarz-Weiß-Dokumentarfilm, der die Eigenschaften verschiedener Seeigelarten zeigt.

Alice Dos Reis, Mood Keep, 2018. HD-Film, 15’

Mood Keep konzentriert sich auf den vom Aussterben bedrohten mexikanischen Axolotl, ein Wassertier mit regenerativen Fähigkeiten, das sich weigert, sich in ein erwachsenes Tier zu verwandeln. In dem Film, der in naher Zukunft spielt, beschließen Axolotl in Gefangenschaft gemeinsam, Augenlider zu entwickeln. Indem es die Verbindungen zwischen der postkolonialen Geschichte des Axolotls, seiner einzigartigen – fast überirdischen – Biologie und seiner jüngsten Online-Popularität als eines der niedlichsten Lebewesen der Welt aufzeigt, zeichnet der Film die Verbreitung niedlicher Bilder in der zeitgenössischen Semiotik nach.

Die Filme werden nacheinander gezeigt und während der Öffnungszeiten kontinuierlich abgespielt. Der zweite Zyklus, Luft, beginnt am 31. März 2026.