soul flashes [Seelenblitze] ist ein Programm von Künstler:innenfilmen, das im Laufe des Jahres 2026 in der Black Box des IKOB präsentiert wird. Das Programm entfaltet sich über vier Zyklen, die jeweils einem Element entsprechen: Wasser, Luft, Feuer und Erde.
Die Vierelementelehre von einfachen Substanzen – das Feste, das Flüssige, das Gasförmige und das glühend Verzehrende – zur Erklärung der Natur und Komplexität aller Materie hat viele Kulturen über Jahrhunderte tiefgreifend beeinflusst. Obwohl die moderne Wissenschaft chemische Verbindungen heute nach der Atomtheorie klassifiziert, hat die symbolische Kraft der klassischen Elemente und ihre Erscheinung in unserem Alltag nach wie vor eine hohe Resonanz. soul flashes ordnet jedem Element auch eine Jahreszeit zu: Wasser für den Winter, Luft für den Frühling, Feuer für den Sommer und Erde für den Herbst, wodurch die narrativen und körperlichen Eigenschaften jedes Elements betont werden.
Durch die Linsen der Filmemacher:innen erleben die Besucher:innen verschiedene Facetten der menschlichen Interaktion mit der Natur und ihren Kräften: wie wir versuchen, die Natur zu kontrollieren und auszubeuten, uns mit ihr zu verbinden oder sogar zu verschmelzen. Die Geschichte des Films und der Konsum bewegter Bilder ist eng verwoben mit Machtfantasien und -verhältnissen in Bezug auf Landschaften und Lebewesen. Mit Werken aus dem Zeitraum von 1928 bis heute zeigt das Programm die Gewalt, Schönheit und Komik dieser komplexen Beziehung.
In den gezeigten Filmen werden die Elemente oft zu eigenständigen Charakteren. So suggeriert soul flashes ein der Welt zugrunde liegendes Mysterium, das sich der Dokumentation und dem rationalen Verständnis entzieht. Zuschauer:innen werden in die Tiefen des Ozeans entführt, können nackt in den Himmel fliegen, aus einer Oase trinken oder das Eis durchbrechen. Wenn wir Glück haben, blitzt die Seele durch.
Laure Prouvost, Every Sunday Grand Ma, 2022. HD-Video, 7’17.
Leihgabe Laure Prouvost und LUX
Der Großmutter wachsen Flügel, und sie verwandelt sich in einen menschlichen Vogel. Sie tritt aus der Dunkelheit eines Tunnels hinaus in eine öde, neblige Landschaft. Sie befindet sich über den Wolken und schwebt dorthin, wo Vögel ihre Kreise ziehen, über dem Boden wie schwebende Körper. Das Video regt unsere Sinne und Emotionen an, das Gefühl der Schwerkraft zu verlieren.
Graham Stevens, Desert Cloud, 1974. 16 mm, Farbe, Ton. 17’34.
Leihgabe des Künstlers
Der englische Künstler Graham Stevens nutzt Luft als künstlerisches Medium und interessiert sich für die utopischen Möglichkeiten, Kunst und Wissenschaft zusammenzubringen. Frühe Experimente mit Ballons, die er mit Luft, Wasser oder Sand füllte, führten ihn zum Projekt Desert Cloud: ein riesiges silbernes Kissen, das wie ein schimmernder Drachen mitten in der Wüste schwebt. Desert Cloud ist eine frei schwebende Struktur, die keine Energiequelle benötigt und in der Lage ist, Wasser zu kondensieren und aufzufangen, um unter dem klaren Nachthimmel der Wüste Eis zu bilden. Das Experiment wurde 1974 während der Ölkrise in der kuwaitischen Wüste gefilmt, wobei der Künstler ein dokumentarisches Format nutzte, um seinen Ansatz zu erläutern.
Viswanadhan, Air/Vayu, 1994. 16 mm, Farbe, Ton, Ausschnitt von Minute 27:19 bis 47:34 (Gesamt: 60’38).
Filmsammlung des Musée national d’art moderne – Centre Pompidou/Centre de création industrielle.
Viswanadhan wurde 1940 in einem Dorf von Gemeinschaftskünstler:innen in Südindien geboren, in einem Umfeld, in dem das tägliche Leben – und künstlerisches Schaffen – tief von Spiritualität durchdrungen waren. Er besuchte die Kunsthochschule in Chennai, wo er von der westlichen Avantgarde-Kunst beeinflusst wurde. Später ließ er sich in Paris nieder und entwickelte seine zeichnerische und malerische Praxis weiter. Zwischen 1976 und 2002 schuf Viswanadhan eine Serie von fünf Filmen, die den fünf Elementen der indischen Kosmologie (Sand, Wasser, Feuer, Luft, Äther) gewidmet waren – „auf dieselbe Weise, wie ein Künstler malt“, wie er sagte, ohne Drehbuch oder Skript. Der Schwerpunkt liegt mehr auf Bewegung und Geste als auf Bedeutung, während die Kamera wie ein fliegender Vogel von einer Vignette zur nächsten gleitet.
Luís Lázaro Matos, Super Gibraltar II, 2015. Video, Ton, 10’34.
Leihgabe des Künstlers und Consonni Radzsizewski, Lissabon, Mailand, Warschau.
Luís Lázaro Matos’ Interesse an Gibraltar geht auf einen Text des portugiesischen Autors Ferreira de Castro zurück, der 1942 in der Zeitschrift A volta do Mundo [Rund um die Welt] veröffentlicht wurde. Der Autor erläutert eloquent den Glauben, der in Gibraltar herrscht, und behauptet, dass das Gebiet so lange unter britischer Herrschaft bleiben werde, wie der Berberaffe (auf Portugiesisch als „Gibraltar-Affe“ bekannt) den Felsen bewohnt. Der Berberaffe (Macaca sylvanus) ist ein Altweltaffe, der derzeit in einigen Gebieten des Atlasgebirges in Nordafrika und auf dem Felsen von Gibraltar im Süden der Iberischen Halbinsel lebt. Es handelt sich um die einzige Population wild lebender Affen in Europa.
Die Filme werden nacheinander gezeigt und während der Öffnungszeiten kontinuierlich abgespielt.
Der erste Zyklus, Wasser, lief vom 27.01. bis 29.03.2026 und umfasste folgende Filme (weitere Informationen hier):
Jean Painlevé, Les Oursins, 1928. 35 mm, s/w, ohne Ton, 10’
Alice Dos Reis, Mood Keep, 2018. HD-Film, 15’
Roman Signer, Einbruch in Eis, 1985. Video, 1’7.
Eva Claus, To Be A Day, 2025. 16 mm, 4:3, Farbe, Ton, 8’
Der dritte Zyklus, Feuer, beginnt am 21. Juni 2026.