soul flashes [Seelenblitze] ist ein Programm von Künstler:innenfilmen, das im Laufe des Jahres 2026 in der Black Box des IKOB präsentiert wird. Das Programm entfaltet sich über vier Zyklen, die jeweils einem Element entsprechen: Wasser, Luft, Feuer und Erde.
Die Vierelementelehre von einfachen Substanzen – das Feste, das Flüssige, das Gasförmige und das glühend Verzehrende – zur Erklärung der Natur und Komplexität aller Materie hat viele Kulturen über Jahrhunderte tiefgreifend beeinflusst. Obwohl die moderne Wissenschaft chemische Verbindungen heute nach der Atomtheorie klassifiziert, hat die symbolische Kraft der klassischen Elemente und ihre Erscheinung in unserem Alltag nach wie vor eine hohe Resonanz. soul flashes ordnet jedem Element auch eine Jahreszeit zu: Wasser für den Winter, Luft für den Frühling, Feuer für den Sommer und Erde für den Herbst, wodurch die narrativen und körperlichen Eigenschaften jedes Elements betont werden.
Durch die Linsen der Filmemacher:innen erleben die Besucher:innen verschiedene Facetten der menschlichen Interaktion mit der Natur und ihren Kräften: wie wir versuchen, die Natur zu kontrollieren und auszubeuten, uns mit ihr zu verbinden oder sogar zu verschmelzen. Die Geschichte des Films und der Konsum bewegter Bilder ist eng verwoben mit Machtfantasien und -verhältnissen in Bezug auf Landschaften und Lebewesen. Mit Werken aus dem Zeitraum von 1928 bis heute zeigt das Programm die Gewalt, Schönheit und Komik dieser komplexen Beziehung.
In den gezeigten Filmen werden die Elemente oft zu eigenständigen Charakteren. So suggeriert soul flashes ein der Welt zugrunde liegendes Mysterium, das sich der Dokumentation und dem rationalen Verständnis entzieht. Zuschauer:innen werden in die Tiefen des Ozeans entführt, können nackt in den Himmel fliegen, aus einer Oase trinken oder das Eis durchbrechen. Wenn wir Glück haben, blitzt die Seele durch.
21.06—20.09.2026
ঌ 3. Zyklus: Feuer ঌ
Adrien Missika, Darvaza, 2011. HD-Video, Sound, 8’30.
Leihgabe des Künstlers
Im Jahr 1971 legten sowjetische Geologen in Turkmenistan versehentlich eine Erdgasblase frei, als eine Bergbauplattform zusammenbrach. Da sie die giftigen Emissionen nicht in die Atmosphäre entweichen lassen wollten, zündeten sie das Gas an; und dort brennt es seitdem, von den Einheimischen als „Tor zur Hölle“ bezeichnet. Missikas Film erkundet dieses höllische Portal durch eine Reihe langer, langsamer Einstellungen, jede etwa eine Minute lang, in umgekehrter Reihenfolge von einer Nahaufnahme der schwefelhaltigen Wolken bis zu einer Schlussaufnahme der kargen Umgebung – die Grube als dicke, rote Narbe auf einer toten Welt. Der Film präsentiert etwas, das in seinem Schrecken so biblisch anmutet, dass wir annehmen, es müsse sich irgendwie um eine Fälschung, eine Miniatur, ein Modell oder einen anderen Spezialeffekt handeln, doch tatsächlich ist es erschreckend real: ein alltägliches, von Menschenhand geschaffenes Armageddon. (Text: Robert Barry)
Malena Szlam, ALTIPLANO, 2018. 35mm, Farbe, Sound, 15’30.
Leihgabe der Künstlerin
Gedreht in den Anden, in den traditionellen Gebieten der Atacameño, Aymara und Calchaquí-Diaguita im Norden Chiles und Nordwesten Argentiniens, spielt ALTIPLANO in einem geologischen Universum aus uralten Salzebenen, Vulkanwüsten und farbenprächtigen Seen. Indem es Erde mit Himmel, Tag mit Nacht, Herzschlag mit Berg und Mineral mit schillernder Wolke verschmilzt, offenbart ALTIPLANO eine vibrierende Landschaft, in der eine strahlend blaue Sonne stets droht, einen blutroten Mond zu verdunkeln.
In Verbindung mit einer Klanglandschaft, die aus Infraschallaufnahmen von Vulkanen, Geysiren, chilenischen Blauwalen generiert wurde, erzeugt ALTIPLANO durch das Aufeinandertreffen von Farbe und Form eindrucksvolle visuelle Rhythmen. Landschaften pulsieren und stocken und verwandeln sich in Räume, die gleichzeitig in einer Vielzahl von Zeiten existieren. Im Herzen eines natürlichen Ökosystems gelegen, das durch ein Jahrhundert langes Salpeter- und Nitratabbau sowie die jüngste geothermische Ausbeutung bedroht ist, offenbart ALTIPLANO ein uraltes Land, das Zeuge all dessen ist, was ist, war und sein wird.
Barbara & Michael Leisgen, Sonnenlinie, 1976. Schwarz-weiß Video, Sound, 11’54.
IKOB Sammlung
Barbara & Michael Leisgen, die als Künstler:innenduo vor allem für ihre fotografischen Arbeiten bekannt sind, experimentierten in den 1970er-Jahren mit dem Medium Video. Auch in diesen Arbeiten ist ihre konzeptuelle Herangehensweise an die Kamera, an ihre technischen Möglichkeiten und Einschränkungen abzulesen.
Sonnenlinie wurde hier in Ostbelgien mit einer Sony U-Matic Kamera gefilmt. Diese Kamera enthielt damals ein lichtempfindliches Element wodurch direktes Sonnenlicht sich in die Linse einbrennte und einen nicht zu reparierenden Schaden hinterließ. Die Leisgens nutzten diese Empfindlichkeit aus, um mit dem Sonnenlicht eine horizontale Linie von links nach rechts zu zeichnen. Dabei war es nicht möglich, die Aufnahme zu üben, es musste in einem Mal gelingen. Im Hintergrund ist das Ticken einer Uhr zu hören, gemeinsam mit der Bewegung der Kamera und der dadurch entstehenden Linie wird so die enge Verbindung zwischen Sonne, Bewegung und Zeitlichkeit betont.
Dieser Film wird parallel zu der IKOB-Einzelausstellung von Barbara & Michael Leisgen gezeigt.
Die Filme werden nacheinander gezeigt und während der Öffnungszeiten kontinuierlich abgespielt.
Der erste Zyklus, Wasser, lief vom 27.01. bis 29.03.2026 und umfasste folgende Filme (weitere Informationen hier):
Jean Painlevé, Les Oursins, 1928. 35 mm, s/w, ohne Ton, 10’
Alice Dos Reis, Mood Keep, 2018. HD-Film, 15’
Roman Signer, Einbruch in Eis, 1985. Video, 1’7.
Eva Claus, To Be A Day, 2025. 16 mm, 4:3, Farbe, Ton, 8’
Der zweite Zyklus, Luft, lief vom 31.03. bis 07.06.2026 und umfasste folgende Filme (weitere Informationen hier):
Laure Prouvost, Every Sunday Grand Ma, 2022. HD-Video, 7’17.
Graham Stevens, Desert Cloud, 1974. 16 mm, Farbe, Ton. 17’34.
Viswanadhan, Air/Vayu, 1994. 16 mm, Farbe, Ton, Ausschnitt von Minute 27:19 bis 47:34 (Gesamt: 60’38).
Luís Lázaro Matos, Super Gibraltar II, 2015. Video, Ton, 10’34.
Der vierte und letzte Zyklus, Erde, beginnt am 4. Oktober 2026.