Im Jahr 2025 freut sich das IKOB, zum zweiten Mal mit Borderland Residencies zusammenzuarbeiten, um in Eupen ein dreimonatiges Künstlerresidenzprogramm anzubieten. Nach einer Ausschreibung zum Thema MATERIAL WITNESS wurde die Künstlerin Jungwoon Kim ausgewählt. Sie wird von September bis November 2025 in Eupen leben und arbeiten.

Die künstlerische Praxis von Jungwoon Kim untersucht die stille Widerstandskraft von Materialien in Übergangszuständen – zwischen Vitalität und Verfall, dem Natürlichen und dem Künstlichen, dem Unmittelbaren und dem Erinner­ten. Ihr Interesse an Restformen und fragiler Lebendigkeit spiegelt auch ihr ambivalentes Verhältnis zur Natur wider. Die „Natur“, die sie verinnerlicht hat – geprägt von urbanen Umgebungen und Medien – ist oft kuratiert, kontrolliert, beschönigt und romantisiert. Im Gegensatz dazu wirken reale Begegnungen mit Natur unmittelbar auf ihren Körper und ihre Stimmung: Frühlingsallergien beeinträchtigen sie, unvorhersehbares Wetter verändert ihre Laune, und Klimaangst überschattet den Alltag. Diese Dissonanz – zwischen der künstlich vermittelten Natur, mit der sie aufgewachsen ist, und den überwältigenden, destabilisierenden Kräften des Realen – erzeugt eine produktive Spannung, die sich durch ihr Werk zieht. Für sie ist Skulptur ein Mittel, um diese Kluft zu fassen und zu artikulieren.

Während ihres Aufenthalts in Eupen wird Jungwoon Kim die anhaltende Präsenz pflanzlicher Materialien in Grenzzuständen untersuchen – zwischen Wachstum und Verfall, natürlich und synthetisch, lebendig und vergehend. Das Projekt beginnt mit dem Sammeln lokaler Pflanzenreste und alltäglicher Überbleibsel. Diese Materialien aus der unmittelbaren Umgebung werden mit Silikon und Aluminium kombiniert, um Skulpturen zu schaffen, die still Spannung, Transformation und Widerstandskraft verkörpern. Besonders interessiert sie die subtile Fülle von verwelkter oder künstlicher Vegetation – Zierpflanzen im Innenraum, Relikte tropischer Sehnsucht, verblasste Symbole der Fürsorge.

Jungwoon Kim präsentierte die Ergebnisse ihrer Residenz, in der Ausstellung LEAVES die vom 14.12.2025 bis zum 22.02.2026 lief

Jungwoon Kim (*1981, Seoul, Südkorea) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte Bildende Kunst an der Hongik University in Seoul sowie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Rita McBride und Prof. Martin Gostner. Seit ihrem Abschluss 2014 nahm sie an zahlreichen Projekten teil, erhielt Stipendien und absolvierte verschiedene Residenzen, u. a. in Chongqing, Detroit und Bukarest. Kim ist zudem Mitglied des Künstlerkollektivs Mother of Pearl. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen Fishing in Green, Living in Yellow im The Pool, Düsseldorf (2025); Und wir fangen gerade erst an in der Kunsthalle Düsseldorf (2025); Worlds of Structure im Atelierhaus Aachen e.V. (2024); Waiting in Loop in der Gallery Cubeplus, Kiel (2023); 20 Jahre dHCS-Stipendium im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2023); Out to Lunch part 1 in Düsseldorf (2023); Out to Lunch part 2 im 3:e Våningen, Göteborg (2023); Die Grosse im Kunstpalast Düsseldorf (2023); yesterday, today, tomorrow in der Zero Foundation, Düsseldorf (2022); und der 14. Salon der Künstlerinnen im Museum Kurhaus Kleve (2022).

Borderland Residencies ist ein euregionales Netzwerk von Residenzen an Kunstinstitutionen. Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative von Künstlerresidenzen im Grenzgebiet von Rhein und Maas. Das Grenzlandprogramm unterstützt die Aktivitäten der Mitglieder durch die Organisation mehrtägiger Exkursionen für Künstler aus allen beteiligten Residenzen, durch Treffen mit Kuratoren und Institutionen aus der Region und durch ein öffentliches Programm mit Vorträgen, Präsentationen und Workshops. Das Programm bietet den teilnehmenden Künstlern die Möglichkeit, Kontakte auf beiden Seiten der Grenze zu knüpfen, sowohl mit anderen Künstlern als auch mit Institutionen. Die Exkursionen konzentrieren sich auch auf allgemeinere Themen in der Region, wie Energieerzeugung, landwirtschaftlicher Wandel und die alternde Bevölkerung.

Gefördert von der Europäischen Union und dem Small Project Fund „People to People” Interreg Maas-Rhein (NL-BE-DE), des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms Interreg Maas-Rhein (NL-BE-DE) sowie dem Regionalen Kultur Programm NRW.

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