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Antonio Máro, 1987

Corte Cromático, Hommage an André Blank

Öl und Acryl auf Leinwand
200 × 200 cm

Der seit 1981 in Hauset lebende, international agierende Musiker, Maler und Bildhauer Antonio Máro Ramírez, wurde mit Ehrungen überhäuft, gilt kunsthistorisch aber eher als ein Außenseiter. Er wurde 1928 in Catacaos (Peru) geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Lima auf. Beim abstrakten Expressionisten Ricardo Grau machte er seine ersten Schritte zur Kunst, die er ab 1950 parallel zum Medizinstudium in Tübingen bei Gert Biese und in Stuttgart bei Willi Baumeister weiterführte. Ab 1957-62 praktizierte er, parallel malend, als Mediziner in Peru und bis 1980 in Süddeutschland. Von Baumeisters Ausrichtung auf individuelle Authentizität des Bildes angeregt und von den gegenstandslosen Tendenzen des Informel sowie Hap Grieshaber beeinflusst, gehört er zu den südamerikanischen Künstlern, die den Realismus aus ihrem Werk getilgt haben. Der Versuchung Indiokultur und Kolonialerbe barocker Färbung zum Thema seiner Arbeit zu machen erlag er nie. Weniger Spiritualität als Sinnlichkeit und Naturerleben prägt seinen materialbezogenen Umgang mit chromatischen Überlagerungscollagen. Ab 1980 lässt er die an Eduardo Chillida erinnernden Formverschränkungen hinter sich und konzentriert sich auf tektonischen Schichtungen. Nicht Farbsymbolik, sondern materielle Sinnlichkeit bestimmen die Chromatik der experimentell störrischen, mit Vorliebe in axialen Verschiebungen komponierten, aber skizzenhaft angelegten und formal freien Bildflächen.

So ist auch das 1987 entstandene Werk als Hommage an den belgischen Glasmaler André Blank absichtsvoll von Licht- und Schattenwirkungen geprägt, die als Lichtkeil, weiß gehöhte Verklammerung, kosmische Tiefe und irreale Metallschlucht eigentümliche entrückte Raumtiefen links und tektonische Flächenriegel rechts suggerieren, in den Tropfspurendetails und Schichtenüberlagerungen aber ihr pures Dasein als impulsive Malerei verraten. Freier Impuls und von traditionellen Bezügen abgelöste Intellektualität musikalisch harmonischer Komposition lassen gegensätzlich gerichtete Formkräfte interagieren (Schwarz – weiß, oben – unten, Flächendichte – Brüchigkeit). Dieser Bildraum birgt mehr feierliche Stille als schwerblütige Zerrissenheit und Leidensgestus. Das Bild ist analytisch komponierte Sinnbild-Malerei, die Würde und Bedrohung der Natur mitschwingen lässt, aber als intuitiv errungene Formwelt ohne Vorbild vor allem eine Vorlage für unbekannte Empfindungen werden kann. (Dirk Tölke)