Alexandra Tretter, Regel, 2021
Courtesy the Artist and 14a
Photography: Volker Renner

Alexandra Tretter, Funnel of love, 2020, 226x180 cm. Foto: Chris Bierl

13.06.–15.08.2021

Alexandra Tretter

DIE MODULE SPIELEN VERRÜCKT

Eröffnung: 13.06.2021, 15:00

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In ihrer ersten musealen Einzelausstellung, „Die Module spielen verrückt“, präsentiert Alexandra Tretter eine neue Serie großformatiger Arbeiten, die speziell für die Ausstellungsräume des IKOB entstanden sind. Ihre Arbeiten sind aus dem Körper heraus gemalt, ohne ihn direkt darzustellen. Vielmehr erforschen ihre Kompositionen die ständigen Veränderungen und Grenzverschiebungen von Körper und Geist, wie Kaleidoskope anatomischer Querschnitte oder psychedelische Rorschach-Tests. Die Symmetrie ihrer Arbeiten verleiht ihnen ein Gefühl von Dualität und Opposition: jedes „Modul“ birgt eine bestimmte Energie aus Form, Farbe und Textur.

Tretters Werke sind in Acrylfarbe auf ungespanntem Leinen gemalt und direkt an die Wand geheftet, wie die Künstlerin Julia Dubsky schreibt: „sie lassen sich zusammenrollen wie das Gepäck einer Reisenden, ein Zustand von Beweglichkeit“. Die vier Arbeiten in „Die Module spielen verrückt“ nehmen jeweils eine eigene, ganzheitliche Fläche ein, wobei die Betrachter:innen von der Bildsprache der Künstlerin aus sich wiederholenden Formen und Farben umhüllt werden. Nur die Arbeit Regelrecht in anderen Umständen (2021) ist entlang ihrer ovalen Ränder ausgeschnitten. Ihr Hintergrund wird von einer tiefblauen, kreisförmigen Komposition gebildet, die aus der Wand selbst hervorgeht. Anstatt ihre Werke als starre Objekte im Raum zu verstehen, hat Tretter ein fließendes Verhältnis zu ihren Bildern, und kann sie so endlos neu konfigurieren.

Das zentrale Motiv von Tretters Arbeiten ist das Oval, eine potente Form die einem Ei, einem Mund, einem Auge oder einer Vulva ähneln kann: Organe, die durch das Wechselspiel von Öffnung und Verschlossenheit geprägt sind. In ihrem wichtigen Essay „Modernity and the Spaces of Femininity“ (Die Räume der Weiblichkeit in der Moderne, 1988) zeigt die Kunsthistorikerin Griselda Pollock, dass die Konfiguration von urbanen und häuslichen Räumen, die den Malerinnen des frühen 20. Jahrhunderts verwehrt blieben oder in denen sie gestattet waren, in deren Werken selbst eine bestimmte räumliche Komposition erzeugen. Die Grenzen und Möglichkeiten der Weiblichkeit definieren dabei nicht nur den Zustand, sondern auch die Wirkung. Alexandra Tretter eröffnet mit ihrer Malerei einen entscheidenden Raum für Ausdrucksfreiheit. In ihrer Kindheit in der ehemaligen DDR und in ihrer vorherigen Karriere war „Stillhalten“ das oberste Gebot. Als Künstlerin lässt Tretter ihre Formen und Farben von der Leinwand strahlen, sich entfalten und verrückt spielen.

„Die Module spielen verrückt“ wird von einer von der Künstlerin aufgenommene und gestaltete limitierte Vinyl-Schallplatte begleitet. Die LP versteht sich als Partitur für die Arbeiten in der Ausstellung und als Ausdehnung des Malerischen in den Bereich des Klangs. Sie wird in Zusammenarbeit mit 14a, Hamburg produziert und entstand aus Soundelementen, die die Künstlerin während des Malprozesses begleiteten, sowie aus aufgenommenen Textfragmenten.

Alexandra Tretter, Ich durchlebe den Tag, den ich hinter mir habe 2020. Acrylic on linen, 239 x 214 cm. Foto: Chris Bierl

Installationsansicht, See U Th3re: Dialogues Between Windows, Kunstverein Harburger Bahnhof und Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Laura Mahnke und Alexandra Tretter, Foto: Maik Graef

Installationsansicht, Alexandra Tretter: Panikblüte, 14a Hamburg, 2021. Foto: Volker Renner, courtesy 14a

Alexandra Tretter (geb. 1988 in Wolfen, Deutschland, lebt in Berlin) hat einen BFA an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Jutta Koether (2016-20) absolviert, sowie einen Abschluss in Architektur an der Technischen Universität Berlin (2011-2015). Ihre erste Einzelausstellung „Panikblüte“ fand 2021 bei 14a, Hamburg statt, und ihre Arbeiten wurden ausgestellt im Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg (2020); Kunstraum Bethanien, Berlin (2019); ENSBA, Paris (2019); und Uferhallen, Berlin (2019, 2018).