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Roland Groteclaes, Das neue Capitol 2.0 Eupen, Tusche und Aquarell auf Papier, 2013

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Anja Bayerwaltes, Transfigured Night II, 2016, Acryl auf Leinwand, 40 x 50cm. © Anja Bayerwaltes und das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft

12.12.2021–27.02.2022

Was uns angeht
Neuankäufe der Sammlung Ostbelgiens

Mit:

Markus Baldegger, Anja Bayerwaltes, Wolfgang Binding, Peter Buchholz, Jürgen Claus, Raphaël Demarteau, Marietta Dobbelstein, Yann Freichels, Roger Greisch, Roland Groteclaes, Helge Hommes, Norbert Huppertz, Justina Jablonska, Marc Kirschvink, Sophie Langohr, Eric Legrain, Vanessa Leissring, Céline Leuchter, Valentine Lilien, Tanja Mosblech, Annette Müllender, Andrea Radermacher-Mennicken, Sabine Rixen, Christian Roosen, Raoul Ubac, Romain Van Wissen, Ernst Wawra, Johannes Weber, Andrea Zang

Eröffnung: 12.12.2021, 15:00

Die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens präsentiert im IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst eine Gruppenausstellung ihrer Neuankäufe der letzten fünf Jahre (2017 – 21). Seit 2017 wurden 527 Werke von 29 Künstler:innen erworben. Unter dem Titel „Was uns angeht“, trägt diese Ausstellung einen Großteil dieser Arbeiten zusammen und präsentiert sie erstmalig in dieser Konstellation der breiten Öffentlichkeit. Bestehend aus ingesamt mehr als tausend Werken aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation und Fotografie, ist die 1974 begonnene Sammlung Ostbelgiens eine Abbildung künstlerischer Leistungen aus der Region.

Kunst in Ostbelgien braucht Beachtung. Das leistet mit parlamentarischer Unterstützung auch die Kunstkommission der Deutschsprachigen Gemeinschaft, bestehend aus Heike Binger, Walter Mießen, Anke Reitz, Nadine Streicher und Dr. Dirk Tölke. Zwei jährliche Sitzungen sowie Atelierbesuche entscheiden über Ankäufe für die Sammlung Ostbelgiens, die auf Antrag von Behörden, Galerien, Privatpersonen und Kommissionsmitgliedern erfolgen. Die Kommission bewertet Professionalität und künstlerisches Handwerk, die Innovation und Aktualität der Werke, den Beitrag zur Vielfalt der bestehenden Sammlung und die Regionalität, bzw. den Bezug zu Ostbelgien.

Neben klassischen Auseinandersetzungen mit Form und Farbe trifft das Publikum hier auf zeitgemäße Befassungen mit dem Zustand unserer Umwelt und ihren Veränderungen, mit der Tierwelt, der Technikkultur, den Bildwelten neuer Medien, der Auswirkung des Internets, der sich verändernden Regionalkultur, der Nachtbeleuchtung unserer Landschaften, der Lebenswelt von Lastwagenfahrern, den Bildkontinuitäten von Historie und Gegenwart, der musikalischen Nutzung von Malerei als Partitur und der Illustration regionaler Mentalitäten durch Geschichten, sowie Skizzen möglicher Entwicklungen. Das sind Themen, die uns alle angehen.

Oft wird der Wohnort von Künstler:innen außerhalb von Metropolen als regional und damit sekundär abgewertet, gar als Provinz gekennzeichnet. Auf der anderen Seite muss der Heimatbegriff als gefühlsbetonte heile Welt für politische und touristische Verbrämung hinhalten. Für die Sammlung Ostbelgiens und die Kunstkommission gilt also, sich mit dieser zweischneidigen Begriffswelt auseinanderzusetzen, um hinsichtlich der regionalen Kunst eine zeitgemäße und gerechte Einschätzung treffen zu können. Verlust und Innovation geschehen gleichzeitig. So gibt es neben Gestaltungen des Brauchtums kaum noch Trachten oder regionales Kunsthandwerk, andererseits unterliegen durch Medien und Internet alle Künstler:innen einem internationalen Wettbewerb. Daher ist Provinzialität heute ein Phänomen, das in seiner Abschottungstendenz im Kopf der Betroffenen stattfindet. Der Wohnort oder Geburtsort bildet dann den regionalen Bezug, während die Kunstform keinen inhaltlichen Bezug zur Region haben muss.

Ostbelgien als historisches Konstrukt hat eine disparate Bevölkerung und Geschichte. Kleinteiligkeit, landwirtschaftliche Prägung, preußisch-deutsch und luxemburgisch-französisch geprägte Bauten, Ausbildungen und Mehrsprachigkeit zeigen sich offen für Einflüsse. Ein gemeinsamer Nenner, gar als Eigenständigkeit gegenüber ähnlichen Grenzregionen ist schwer zu finden und eher ein fortlaufender Prozess. Daher muss künstlerische Vielfalt das Spektrum abdecken, für das diese Schwerpunktsammlung visuelles Material zusammenträgt.

Die Erfahrungen der Kunstkommission zeigen, dass Künstler:innen verschiedener Generationen, Herkunft und Arbeitsmethoden gerne in Ostbelgien ansässig sind, weil Kultur hier gefördert und geschätzt wird, hier Freiheiten gewährt werden und ein interessiertes Publikum sich lebendig mit den künstlerischen Arbeiten auseinandersetzt. Die Ausstellung „Was uns angeht – Neuankäufe der Sammlung Ostbelgiens“ zeigt nach innen wie nach außen, dass Künstler:innen der Region Ostbelgien einen wesentlichen Beitrag zur Kunst leisten, dass die Kunst vom Parlament Förderung und Freiheit erfährt, und dass Ostbelgien ein dynamischer, weltoffener und kreativer Standort ist.

Text: Dirk Tölke

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Vanessa Leissring, Swing, Netherlands, 2008, aus der Serie "Petrol Stations". Fotografie, 24 x 36 cm © Vanessa Leissring und das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft

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Justina Jablonska, Ohne Titel, 2019, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 30 cm. © Justina Jablonska und das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft

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Raoul Ubac, Vieux pays, 1967, Papier (in Buch eingelegt), Farbdruck, 30 x 40cm. © SABAM Belgium 2021

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Joachim Peter Buchholz, SILURO II, 2009, Stahlblech, 212 x 74 x 58 cm. © Joachim Peter Buchholz und das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft

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Sabine Rixen, Rabennacht, 2002, 22 teilige Serie, Tusche und Pastell auf Papier, 21 x 30 cm. © Sabine Rixen und das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft